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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 Archiv Psychotanten
Xania ( gelöscht )
Beiträge:

02.03.2004 11:58
RE: Beginnender Sterbeprozess Thread geschlossen

Hallo Forumler,

seit letzter Woche ist meine Oma im Krankenhaus.
Am Sonntag habe ich sie besucht, es war schrecklich, lauter Schläuche und sie macht sehr einen verwirrten Eindruck.... Sie 81 und auch schon seit Jahren pflegebedürftig, aber so hab ich sie noch nie gesehn...abgemagert, Augenringe und müde...

Es ging ihr seit einer Erkältung Anfang des Jahres immer schlechter, das Herz... dann kam Wasser in den Beinen hinzu...
Merken Menschen das, wenn es zu Ende geht?
Sie sprach in letzter Zeit oft vom Sterben und war oft alleine...
ich mache mir schreckliche Vorwürfe das ich nicht genug getan habe, aber ich wohne 80 km weit weg !
Meine Mutter ist ja vor Ort und sie ist auch total überfordert mit der Situation...nächste Woche wird die Oma entlassen...kein Artzt sagt was genaues...aber die Tendenz ist ja unübersehbar...

Letzes Jahr gab es schon 2 Todesfälle in der Familie,
meine Lieblings-Großtante und mein Stiefopa, also der Mann von meiner Oma.
Die beiden hatte viel Streit aber irgendwas muss die beiden doch zusammen gehalten haben, denn sie redet noch oft von ihm. Hört manchmal sogar seine Stimme...er ruft sie und sie will wissen ob es ihm gut geht... Ich glaube sie vermisst ihn...

Meine Oma ist mir wie eine Mutter gewesen und ich bin sehr sehr traurig...weiß garnicht wohin damit...ich weiss ja das sie nicht ewig leben wird und ich komme mir auch schrecklich egoistisch vor wenn ich mir wünsche das sie noch länger leben soll, versteht das jemand?

Wie kann man sich denn auf den Tod vorbereiten?

Frage über Fragen...das Thema ist irgendwie tabu, ich möchte das auch nicht im kollegenkreis erzählen, denn das trägt die Trauer in die Firma...ich merke schon das es mir schwerfällt damit umzugehn...Alles errinnert mich so an letztes Jahr ...2 Beerdigungen im Abstand von 3 Monaten...und jetzt wieder...ich möchte nicht wieder in dieses tiefe schwarze Loch fallen...
kann man das irgendwie umgehen?

fragt Xania

FRan ( gelöscht )
Beiträge:

04.03.2004 12:21
#2 RE: Beginnender Sterbeprozess Thread geschlossen

>Hallo Forumler,
>seit letzter Woche ist meine Oma im Krankenhaus.
>Am Sonntag habe ich sie besucht, es war schrecklich, lauter Schläuche und sie macht sehr einen verwirrten Eindruck.... Sie 81 und auch schon seit Jahren pflegebedürftig, aber so hab ich sie noch nie gesehn...abgemagert, Augenringe und müde...
>Es ging ihr seit einer Erkältung Anfang des Jahres immer schlechter, das Herz... dann kam Wasser in den Beinen hinzu...
>Merken Menschen das, wenn es zu Ende geht?
>Sie sprach in letzter Zeit oft vom Sterben und war oft alleine...
>ich mache mir schreckliche Vorwürfe das ich nicht genug getan habe, aber ich wohne 80 km weit weg !
>Meine Mutter ist ja vor Ort und sie ist auch total überfordert mit der Situation...nächste Woche wird die Oma entlassen...kein Artzt sagt was genaues...aber die Tendenz ist ja unübersehbar...
>Letzes Jahr gab es schon 2 Todesfälle in der Familie,
>meine Lieblings-Großtante und mein Stiefopa, also der Mann von meiner Oma.
>Die beiden hatte viel Streit aber irgendwas muss die beiden doch zusammen gehalten haben, denn sie redet noch oft von ihm. Hört manchmal sogar seine Stimme...er ruft sie und sie will wissen ob es ihm gut geht... Ich glaube sie vermisst ihn...
>Meine Oma ist mir wie eine Mutter gewesen und ich bin sehr sehr traurig...weiß garnicht wohin damit...ich weiss ja das sie nicht ewig leben wird und ich komme mir auch schrecklich egoistisch vor wenn ich mir wünsche das sie noch länger leben soll, versteht das jemand?
>Wie kann man sich denn auf den Tod vorbereiten?
>Frage über Fragen...das Thema ist irgendwie tabu, ich möchte das auch nicht im kollegenkreis erzählen, denn das trägt die Trauer in die Firma...ich merke schon das es mir schwerfällt damit umzugehn...Alles errinnert mich so an letztes Jahr ...2 Beerdigungen im Abstand von 3 Monaten...und jetzt wieder...ich möchte nicht wieder in dieses tiefe schwarze Loch fallen...
>kann man das irgendwie umgehen?
>fragt Xania


Hallo Xania,
Du solltest mal Dir die Buecher von Elisabeth Kuebeler Ross besorgen, diese hat
sich sehr mit dem Thema Sterben beschaeftigt was es Dir dann leichter machen wird zu akzeptieren das sterben nur eine andere Art des weiter existierens ist.
Wenn Deine Oma entlassen wird dann nimm Dir die Zeit und sei viel bei, ihr rede mit ihr , es wird Euch beide die Situation erleichtern. Ueberlege Dir ob Du moechtest das Deine Oma so weiterleiden soll , oder sie von ihrem Schmerz endlich befreit wird, denn oft zieht sich ein Sterbeprozess hinaus weil die Angehoerigen einfach nicht loslassen wollen.
Liebe Gruesse Fran

G. ( gelöscht )
Beiträge:

02.03.2004 13:10
#3 RE: Beginnender Sterbeprozess Thread geschlossen

Hallo,


ich habe letztes Jahr eines von diesen Erlebnissen gehabt, die einen so schnell nicht wieder loslassen, und die dazu führen, dass man sich immer und immer wieder fragt, w o z u man das erleben mußte.

Vorgeschichte:
Meine Mutter hatte mir eine Kreuzfahrt von einer Bausparvertragsauszahlung geschenkt, an der sie auch teilnahm, und weil dies genau in die Zeit meines 1jährigen Jubiläums mit meinem Schatz fiel, kam der auch mit uns mit. Bereits in der ersten Nacht auf See bekam ich etwas, was sich im weiteren Verlauf als eine (meine erste) Gallenkollik der schlimmsten Sorte erweisen sollte, ich wurde - auch aufgrund eines inkompetenten Schiffsarztes - übereilt mit dem Notarztwagen in Le Havre ins Notfallkrankenhaus eingeliefert, die ganze Odyssee d'rumherum erspare ich Dir.
Worauf es mir ankommt, war, was ich dort erlebt habe. Ich spreche kein Französisch, in dem Krankenhaus sprach keiner Deutsch, nur eine Schwester konnte ein einigermaßen erkennbares Englisch, ich fühlte mich absolut einsam, vergessen und allein, was ich auch war, wie sich im nachhinein wiederholt herausstellte.

Mein Zimmer teilte ich dort mit Luise Golland - den Namen vergesse ich nicht mehr - eine französische Oma, die ich auf ungefähr Ende 80 schätze. Klein, eingefallen, gelb verfärbt. Und sie hatte wohl unsagbare Schmerzen. Ihre Bauchspeicheldrüse muß nach dem, was ich mir so rekonstruiert habe, den Dienst quittiert haben. Ich konnte keine Nacht in diesem Krankenhaus schlafen, habe alles mitbekommen, mußte ein paarmal nachts die Schwestern herbeiklingeln, weil Madame Golland ein paarmal fast vor Schmerzen all ihre Katheder aus sich herausgerissen hätte. Die verzweifelten gehauchten französischen Bitten um - was?? - habe ich nicht übersetzen können, und ich fühlte mich so hilflos..
Sie lag mit Sicherheit im Sterben. Am zweiten Tag - nachdem sie in der Nacht operiert worden war - und in dessen Verlauf sie dann Morphin gespritzt bekam, bekam sie nach und nach Besuch von einzelnen Vertretern ihrer Familie. Ihr (Enkel)Sohn, der eine große Ähnlichkeit mit ihr hatte, offensichtlich ihre Schwieger(enkel)tochter, die sich mit einer Bekannten aus diesem Krankenhaus beiläufig unterhielt. Und ihre zwei (Ur)Enkelsöhne (?). Die beiden kamen getrennt. Der eine stand nur neben dem Bett wie jemand, der noch Zeit hier abwarten muß, bis er endlich zu seinem nächsten Termin kann. Der andere kam zweimal, und jedesmal war die Veränderung bei ihr offensichtlich: Er streichelte ihre Hand, während er gegen die Tränen ankämpfte. Das laute, herzzerreißende Jammern und Klagen wurde zu einem leisen Schluchzen, das aber Züge einer Art von Entspannung trug. Ich lag in meinem Bettchen, aus dem ich nicht rauskam, ich hing an einem instabilen Perfalgon- und Glukose-Tropf und hätte auch nirgendshin ausweichen können -mal abgesehen von der Tatsache, das mein Kreislauf das auch nicht mitgemacht hätte. Sicher hat er sich auch meinetwegen bemüht, sich die Tränen nicht ansehen zu lassen. Genauso wie ich, ich schaute also aus dem Fenster hinaus, um für ihn Privatsphäre zu schaffen. Und er herunter auf die Oma, es war so leise in dem Raum. Nur das Wimmern von Madame Golland, und ab und zu unsere unterdrückten Schluchzer.
Als ich aus dem Krankenhaus "abgeholt" wurde, um in den nächsten Teil meiner Odyssee zu schlittern, habe ich die Schwester, die etwas Englisch konnte, solange bekniet, bis sie ihm gesagt hat, was ich bemerkt hatte. Wie sehr es geholfen hat, dass er da war, und seine Oma gestreichelt hat, ich denke, sie hat es verstanden und ihm richtig übersetzt.

Das ist das kleine Stückchen an Erkenntnis, was ich aus diesem Erlebnis gewonnen habe. Man sollte alles daran setzten, die, die man liebt, wenn man schon nicht verhindern konnte sie allein leben zu lassen, nicht auch noch alleine sterben lassen. Sich, sofern es geht, noch vom Leben erzählen zu lassen, oder selbst daneben zu sitzen und vom eigenen Leben erzählen. Auf jeden Fall aber bewußt begleiten. Wenn möglich auch berühren. Und diese Menschen, die einen verlassen werden, in sich integrieren. Sie irgendwie begreifen, weil man ihrer Existenz dadurch Sinn gibt. Und Dauer.


Ich wünsche Dir, dass sich dir die bestmöglichen Wege auftun und du sie erkennst.

G.

Xania ( gelöscht )
Beiträge:

03.03.2004 10:56
#4 RE: Beginnender Sterbeprozess Thread geschlossen

vielen Dank G. ,
damit kann ich etwas anfangen. hab jetzt schon von verschiedenen Seiten in etwa das gleiche gehört, also muss was wahres dran sein...Ich werde mein möglichstes tun, auch wenn ich weiß das es nie reichen wird.
Gruß Xania

Fee ( gelöscht )
Beiträge:

03.03.2004 13:08
#5 RE: Beginnender Sterbeprozess Thread geschlossen

Liebe Xania,

warum machst du dir so viele Gedanken darüber, dass es zu wenig sein könnte oder nie reichen wird?

Ein stilles Ausharren bei einem Leidenden, ein Lächeln, ein Streicheln der Hände kann doch viel mehr sein als hektische Betriebsamkeit um den Kranken.
Deine Oma kennt dich, sie weiß, dass du weit weg wohnst und sie weiß bestimmt, dass du sie sehr lieb hast. Es kommt doch auch auf die Qualität einer Begegnung an, nicht nur auf die Quantität, also wie oft du bei jemanden sein kannst.

Ich wünsche dir viel Kraft, und du weißt ja, im Leben muss man leider immer wieder mit dunklen Wolken rechnen, doch die Sonne kommt immer wieder durch.

Ganz liebe Grüße
Fee

Xania ( gelöscht )
Beiträge:

03.03.2004 20:50
#6 RE: Beginnender Sterbeprozess Thread geschlossen

Liebe Fee, ich mach mir schon immer zu viele Gedanken, ist leider ein chronisches Leiden von mir...hab auch noch kein Mittel dagegen gefunden...
Das Problem ist ich hab Angst ihr meine Trauer zu zeigen, ich will nicht das es abfärbt...blöd gell? Das zieht doch voll runter...irgendwie ist das alles so ungerecht...draußen schien heute den ganzen Tag die Sonne und ich hatte fast schon ein schlechtes Gewissen mich darüber zu freuen...Es wird Frühling und ein Leben verlischt...und man kann absolut nichts dagegen machen...
liebe Grüße zurück
von Xania

L ( gelöscht )
Beiträge:

07.03.2004 18:34
#7 RE: Beginnender Sterbeprozess Thread geschlossen

>Liebe Fee, ich mach mir schon immer zu viele Gedanken, ist leider ein chronisches Leiden von mir...hab auch noch kein Mittel dagegen gefunden...
>Das Problem ist ich hab Angst ihr meine Trauer zu zeigen, ich will nicht das es abfärbt...blöd gell? Das zieht doch voll runter...irgendwie ist das alles so ungerecht...draußen schien heute den ganzen Tag die Sonne und ich hatte fast schon ein schlechtes Gewissen mich darüber zu freuen...Es wird Frühling und ein Leben verlischt...und man kann absolut nichts dagegen machen...
>liebe Grüße zurück
>von Xania

Ich wünsch Dir ganz viel Kraft. Vielleicht erholt sich Deine Oma ja doch noch.

Rufus ( gelöscht )
Beiträge:

04.03.2004 21:25
#8 RE: Beginnender Sterbeprozess Thread geschlossen

Liebe Xania,

als mein Vater im März letzten Jahres im Sterben lag, war ich der letzte, der noch mit ihm sprechen konnte. Es war ein Scheiß-Dialog - aufgrund beidseitiger Befangenheit. Beide wussten was kommt und keiner wollte derjenige sein, der das Kind beim Namen nennt.
Wenn ein alter oder schwerkranker Mensch stirbt, ist das traurig, schade, schmerzhaft aber nicht ungerecht. Dass so ein Mensch im beginnenen Frühling keine Kraft mehr verspürt, noch eine Runde zu drehen, kann ich gut nachvollziehen.
Wenn du deiner Oma zeigen kannst, dass du traurig bist, weil sie bald stirbt - und dass du die erste zarte Frühjahrssonne -und dein Leben- genießt, gibst du ihr womöglich den allerbesten Abschied.


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